Kolumne zum 20. Geburtstag Mecklenburg-Vorpommerns

Mecklenburg-Vorpommern feiert Geburtstag. Da frage ich mich: Wenn das Land nun ein Mensch wäre, was könnte das für ein Typ sein? Wäre es männlich oder weiblich? Geschäftsmann oder Kellnerin? Ginge ich gern zu MVs Geburtstagsparty? Wäre diese ein rauschendes Fest mit DJ und angesagten Gästen? Oder erwartete mich da eher ein Stück Mokka-Sahne-Torte zu einer Tasse schwarzem Kaffee und einem Gläschen Eierlikör?
Hinsichtlich der Feier bin ich nicht so sicher, aber ich vermute: MV wäre eine Frau. Warum? In erster Linie wegen der sinnlichen Ausstrahlung, der femininen Landesfarben und vor allem des Rests der Familie – den anderen Bundesländern. Hamburg beispielsweise. Das ist doch ein Mann! So einer mit einem dunkelblauen, goldbeknöpften Dreireiher, einer Günter Netzer-Gedächtnisfrisur und einer Aussprache wie Helmut Schmidt. Nordrhein-Westfalen? Ganz klar ein Kerl. Da ist nicht viel Dekoratives, und es riecht schon auf der Landkarte nach Männerschweiß. Baden-Württemberg? Bei dem Dialekt – ohne Frage männlich.

Als Frau würden oberflächliche Männer MV wohl als Erstes auf den Hintern starren. Der Po von MV? Wo könnte der sein? Da würde ich mich jetzt nicht so festlegen wollen. Fakt ist natürlich, dass Rügen, Usedom und Hiddensee üppig und optisch überaus reizvoll sind.
Ich würde ihr selbstverständlich zunächst in die meerblauen, unergründlichen Augen blicken. Ganz sicher die Städte: Wismar und Stralsund als Weltkulturerbe, Rostock, Greifswald. Und das schöne Schwerin. Gut das sind ein paar mehr als zwei, aber welche Frau ist schon perfekt?

Bei der Bestimmung des Alters habe ich weniger Probleme. Jahrgang 1990. Knackige 20! Wir haben es also mit einer zweifellos schönen Zwanzigjährigen zu tun. Aber zugegeben, Äußerlichkeiten und Jugend sind nicht alles, deshalb frage ich mich natürlich auch, wie es um die inneren Werte steht? Sagen tut sie nicht so viel. Zumindest ist sie nicht so geschwätzig wie ihre große Schwester Berlin. Hier und da ist sie ein wenig angeheitert, aber nicht unsympathisch. Beruflich, was könnte MV da machen? Von Hause aus führe sie zur See oder würde auf dem Acker schuften. Aber in dem Alter hätte sie sich bestimmt noch nicht festgelegt oder gäbe sich dem Studium hin. Am Ende ist das jedoch nicht so wichtig, denn was gibt es Faszinierenderes als eine leicht angeschwipste, schicke, junge Jubilarin, die auf das ganze Geschwätz und das Lametta verzichtet, und die nicht gleich raushängen lässt, was in ihr steckt? Und stört es da wirklich, wenn stimmen sollte, was man von ihr sagt: Dass sie bei allem zu spät komme? Wäre doch typisch Frau!

für das Magazin emVau, QII/ 2010, siehe mv-tut-gut.de